24. April 2013

Freiberg - Die Stadt ohne Einheimische

Juchee, Urlaub! Und was wollen wir heute machen? Den inneren Zwerg ausleben und Schätze der Erde bestaunen!

So ging es dann heute an diesem schönen Frühlings... oder haben wir doch schon Sommer? Winter war ja auch gerade erst ... jedenfalls heute an diesem ... äh ... Tag! Ja an diesem Tag fuhr man also mal wieder im Zweierpack, bestehend aus Dagi und Papa, durch das schöne Sachsenland den ganzen weiten Weg bis nach Freiberg.* In Freiberg auf dem Bahnhof angekommen suchte man zuerst einmal eine Stadtkarte um auch den Weg zum Schloss Freudenstein samt der terra mineralia zu finden. Am DB-Infocenter wurde man fündig. Als man die dem Schalter innewohnende Dame jedoch nach einer günstigen Busverbindung bis dahin fragte, konnte sie leider keine Auskunft geben. Na gut, dann gehn wir erstmal zur Haltestelle vorm Bahnhof und schauen mal an den Plan! Das ist doch 'n Plan, oder nicht? Nein? Wo ist der Plan? Warum gibt es hier keinen Plan? Woher soll ich wissen ob Bus A, B oder C in die richtige Richtung fahren, wenn hier kein Plan hängt? Am Bahnhof, wo TOURISTEN ankommen? Warum?!? Leute zum Fragen gabs hier irgendwie auch keine. Äh ja, nach anfänglicher Verwirrung wurde dann der nächste Busfahrer erstmal angehalten und siehe da: er fuhr auch tatsächlich in die richtige Richtung... fast. Nachdem er erst seine Endhaltestelle und dann wieder den Bahnhof anfuhr. Leider funktionierte auch die Haltestellenanzeige nicht, also spähte man angestrengt aus dem Bus um irgendwo etwas Schlossähnliches auszumachen und dann schleunigst den Haltewunsch-Knopf zu betätigen.

*27 Min. mit dem IRE das sind umgerechnet 9( NEUN!) Durchschnittsstraßenbahnhaltestellen!



Schloss Freudenstein sieht in echt übrigens viel besser aus als auf den schlechten Fotos vom Schlösserland Sachsen. Ich war direkt positiv überrascht. Im Schloss drin ist es stellenweise sehr... magenta. Rammstein lagen eindeutig falsch als sie titulierten "der Wahnsinn ist nur eine schmale Brücke", der Wahnsinn ist ganz eindeutig der innen komplett magenta-farbene Fahrstuhl auf Schloss Freudenstein. Das war allerdings auch (fast) das einzig Unerfreuliche. Hach ... Zwergenherzen schlagen höher bei so viel Funkeln und Schimmern. Man kann sich direkt Erebor vorstellen und den König unterm Berg...*schnüff*

Im übrigen finde ich nach dem Besuch der terra mineralia auch sämtliche Stargate Energie-Kristall-Raumschiff-und-Tunnelbau-Szenarien absolut glaubhaft. Einige dieser Schätze sehen tatsächlich so aus wie man es sich im Gate-verse vorstellt. Die Meteoriten der Ausstellung trugen dann ihr Übriges zur gelungenen Fantasy und Sci-Fi Kombo bei. Ganz zu schweigen davon, dass ich jede Menge neue Ideen für Schmuck habe, den ich mir nie im Leben werde leisten können... oder schenkt mir jemand einen Edelopal? Alternativ nehm ich natürlich auch einen Gutschein für den Museumsshop der terra mineralia, auch wenn's da leider keine Opale zu kaufen gibt.

Jedenfalls ist ein Besuch für wissenschaftlich interessierte Zwerge wie auch Elstern absolut zu empfehlen. Man erfährt außerdem jede Menge interessante Dinge über die Verwendung der Mineralien von der Steinzeit bis zur Gegenwart. Schöne gegensätzliche Exponate hierzu: Der Faustkeil und der Rubin-Laser. Außerdem kann man in ein Modell der molekularen Struktur eines Kristalls (ich hab vergessen welcher, ist aber auch egal, denn es ist eigentlich ein riesiger verspiegelter Bällepool) krabbeln. In der Schatzkammer gibts dann voll spacig-schaurige Klangelemente über Lautsprecher... seeeehr mysteriös. Vielleicht wars auch nur kaputt, passte aber sehr gut. Hat mich direkt an die gute, alte Defa-Produktion von Schneeweißchen und Rosenrot erinnert, speziell an die Szene in der die Mädchen dem Berggeist in sein Reich folgen...

Im Anschluss wollte man sich dann gepflegt auf ein lecker Mittagsfresschen einlassen. Irgendwo in der Altstadt sollte es hierzu, laut Papa, ein Weinrestaurant geben. Allerdings konnte er sich weder an den Namen, noch an markante geographische Elemente in dessen Nähe erinnern. Ok, dann Fragen wir eben wen.
"Guten Tag, hier soll's irgendwo ein Weinrestaurant geben."
"Äh ja, ich glaube schon, irgendwo dort und dann rechts... aber ich bin auch nicht von hier."
"M'Kay trotzdem Danke!"

... 500m weiter ...
" Guten Tag ..."
"Jaaaa, ich glaub ich hab da irgendwo vorhin ein Schild gesehen, aber ich bin auch nicht von hier."

*hüstel* Ja so ging das noch ein bisschen weiter, bis man es nach einem Rundgang um den Freiberger Dom dann aufgab und wieder zum Schloßplatz zurückkehrte um dort in den PUBagai zu gehen. Lustiger kleiner (von der Einrichtung her möchtegern) Pub (aber der anglophile Anglist ist halt das Original gewöhnt). Hier gab's lecker englisches Bier UND es war Schnitzeltag! Na das ist doch mal ein Multi-Kulti-Mittagstisch!

Eigentlich wollten wir uns als Nachmittagskulturprogramm noch den Dom von innen ansehen, aber bei einem Eintrittspreis von 4 Euro schaltete sich unser atheistischer Geldbeutel lautstark ein und plädierte für Heimfahrt.
Auf dem Rückweg zum Bahnhof wurde notgedrungen auf den Bus verzichtet, man begegnete allerdings am Stadtpark (oder so) noch ein paar netten Menschen die wissen wollten, wo das Schwanenschlößchen sei. Tja, wir sind halt auch nicht von hier!

Freiberg - Die Stadt ohne Einheimische... immer wieder eine Reise wert!

Kalter Glanz

oder: Von der Macht des Goldes und warum Plastik manchmal einfach besser ist.

Seit einer guten Woche lässt sich nun endlich wieder der Mathematisch-Physikalische Salon an seinem alt-angestammten Platz im Dresdner Zwinger bewundern. Lange und gespannt wurde auf dieses klein-sächsische Großereignis gewartet und die Plakate versprachen allerhand kurzweilige und pittoreske Technikspielereien aus verschiedenen Jahrhunderten.


Praktischerweise konnte man während der Eröffnungswoche von 16:00 - 20:00 Uhr das Ganze sogar gratis und kostenlos, um nicht zu sagen "umsonst", bekommen. Und da's zu zweit meistens lustiger ist als alleine wurde kurzerhand der Diplom-Ingeneur-Technik-interessierte Papa mit dazugebucht und man machte sich gemeinsam auf in den Kampf gegen die 80.000 Rentner die auf genau die selbe Idee gekommen waren.

Nach geringfügigem Schlangestehen und Rucksack-ordnungsgemäß-im-Schließfach-Verstauen hatte man es dann auch endlich in den MPS* und zu allerlei goldlichem***, ja vielleicht sogar goldenem, Flitterkram geschafft. Optisch ließ sich an dieser Stelle rein gar nichts an den Exponaten aussetzen. Sie waren sehr... hübsch. Ich bitte den geneigten Leser beim Lesen dieses "hübsch" nicht an mein eigenes, gar liebreizendes Stimmlein zu denken. Vielmehr stelle man sich vor, aus dem Multiversum sickert eine Stimme nicht unähnlich einer gewissen Esmeralda Wetterwachs in die Realität der Rundwelt hinüber  

... hübsch ...

*Der Mathematisch-Physikalische Salon, in Fachkreisen** auch MPS genannt.
** Solche die zu vielbeschäftigt, faul oder auch einfach nur hyperaktiv sind um den ganzen Mathematisch-Physikalischen Salon komplett auszusprechen und -zuschreiben.
*** Sometimes glass glitters more than diamonds because it has more to prove. -- Sir PTerry

Für all jene, die mit der Scheibenwelt nicht so vertraut sind sei hier folgendes gesagt: Esmeralda Wetterwachs ist eine Hexe, eine sehr alte, strenge und mächtige Hexe. Der Pragmatismus, so lange er nicht an ihren 3 Unterhemden rührt, ist ihr Credo. Weshalb Esme Wetterwachs verhältnismäßig wenig Magie anwendet. Ihr Steckenpferd ist die Kopfologie, bei der es meistens genügt die Leute so lange anzustarren bis sie tun was man von ihnen erwartet. Dinge haben in Oma Wetterwachs Welt nicht hübsch zu sein, sondern zu funktionieren. Im speziellen Fall des MPS möchte ich mich als Wetterwachsianerin outen und kann diesem Gedanken nur von ganzem Herzen zustimmen. Was nützt eine technische Sammlung die mir als Flitterkram präsentiert wird? Wenn ich Gold und Juwelen sehen will kann ich auch ins Grüne Gewölbe gehen, da bekommt das Auge wesentlich mehr fürs Geld. In den nächsten Absätzen werde ich demzufolge ordentlich nörgeln. Wem das zu viel ist, der kann gern bis zum nächsten Bild scrollen. Ok, dann mal los:

Wie bereits erwähnt gibt es an den Exponaten an sich nichts auszusetzen, die pädagogische Aufbereitung lässt allerdings sehr zu Wünschen übrig. Stellenweise scheint sie nichtmal stattgefunden zu haben. Es gibt reihenweise Glasvitrinen die mit so nichts-sagenden Überschriften wie "Optik" oder "Vermessung" betitelt sind. In diesen Schaukästen liegen an die 30 Ausstellungsstücke und es gibt NICHT EINE EINZIGE Erklär-Tafel dazu!?! Was zum...? Selbst wenn an einigen Stellen Tafeln angebracht sind, nennen diese mir nur den Namen des Geräts und evtl. den Konstrukteur und eine Entstehungszeit. Über die Funktionsweise erfährt man rein gar nichts. Die Interaktivität in dieser Ausstellung beschränkt sich auf 30 Sek. lange, animierte Clips wie einige der drolligen Uhren und Aufziehspielzeuge in Aktion aussehen. Allerdings sind die Bildschirme sehr klein und etwa in Schritt-Höhe. Will heißen, mehr als 3 Leute gleichzeitig haben nichts davon.
Im gleichen Atemzug kann man die Info-Tafeln aufführen: die sind ebenfalls WINZIG mit WINZIGER Schrift ebenfalls auf Schritt-Höhe (Stichwort: Barrierefreiheit FAIL!). Die anwesenden 80.000 Rentner haben sich Reihenweise die Nase an den Glasscheiben platt gedrückt um irgendetwas auf den Tafeln lesen zu können. In einem Saal gibt es eine interessant Chiffrierscheibe, eigentlich wäre es an dieser Stelle nicht schwer und auch kostenverträglich gewesen so etwas aus Plastik (oder sogar Pappe) nachzubauen, dass der Besucher wenigstens mal ausprobieren kann, wie sowas überhaupt funktioniert hat. Was gab's? Eine weitere Winzige Infotafel. Nicht mal einen Beispiel Text wie genau die Scheibe Texte verschlüsselt.
Eine Etage weiter oben sah es zum Thema Solar-Energie und Brennlinsen-Kram genauso Mau aus. Was hier allerdings der Super-GAU war, war nicht die Ausstellung sondern der Weg dahin. Das Obere Stockwerk ist nur über einen winzigen Fahrstuhl zu erreichen (KEINE Treppe) in den max. 6 Leute passen, ohne dass man es als sexuelle Belästigung werten muss. Wer denkt sich sowas aus??? Wir haben also einmal ca. 10 min. am Fahrstuhl angestanden um hochzufahren, zwischenzeitlich mussten wir pausieren, weil eine Dame ins Untergeschoss zu den Toiletten wollte (und Toilettengänger haben Vorrang, na dann is ja alles gut!) und wieder 5 Minuten um runter zu kommen. Wie bitte soll das mit Busreisegruppen funktionieren die eine Führung gebucht haben??? Es ist mir unbegreiflich... und Menschen werde für solche Ausstellungskonzepte bezahlt.
Von dieser unpraktischen "Treppe ham wer nich, gibt's nur bei Edeka" Aktion mal abgesehen war das traurigste für mich wirklich die fehlende Praxis. Klugscheißerisch wie ich bin, habe ich das natürlich auf der Facebook Seite der Staatlichen Kunstsammlungen gepostet und bekam folgendes zur Antwort: Für Schüler gibt es tolle Führungsangebote, die auch wirklich toll sind und für verschiedene Altersstufen. Das kostet dann pro Nase auch nur einen Euro und hört sich auch sehr spannend an. Bei den Angeboten für Erwachsene ist mir dann allerdings nochmal die Kinnlade runtergeklappt. Sicher kann man hier auch eine tolle Führung mit Schauvorführungen buchen... für lächerliche 60 Euro die Stunde!!!! Als Reisegruppe mit 20 Leuten mag das ja gehen, aber wenn ich alleine unterwegs bin (wie die meisten Einheimischen die den Zwinger besuchen) geb ich doch keine 60 Euro dafür aus. Selbst wenn ich das Geld hätte... aber da ist eben ganz klar die Zielstellung gewesen Gruppenangebote zu erstellen und die Individualtouristen können sehn' wo sie bleiben. Wenn man dann noch bedenkt, dass der MPS normal schon 6 Euro Eintritt kostet, ist das nur noch Abzocke.

Die Stiftung Dagi-Test verleiht hiermit dem Mathematisch-Physikalischem Salon im Dresdner Zwinger das Prädikat 
ABSOLUT NICHT EMPFEHLENSWERT! 
Und für alle, die sagen "Flitterkram is doch was feines!" Geht ins Grüne Gewölbe! Da bekommt man noch was für sein Geld...

Manchmal ist Plastik einfach besser.****


****Total tolle und ominöse Anspielung auf Labyrinth mit David Bowie, aber das wusstet ihr natürlich alle.

Oder um mal wieder mit den allseits beliebten Worten der Schwesternschaft zu enden: Wenn's nix kostet muss man auch keinen Spaß haben!